Ach, wie süß – und nicht mal ’ne Kartoffel!

Hm, lecker! Aber wie wächst so eine Süßkartoffel eigentlich? Und was genau erntet man? Macht sie es wie die gemeine Hauskartoffel und bildet überirdisch ein kleines Pflänzchen aus, um das herum man immer wieder die Erde anhäuft? Oder passiert da knollenmäßig auch an der Erdoberfläche was? Und: Erntet man am Ende nur ein einziges Riesending oder doch mehrere kleine bis mittelgroße Brocken? Fragen über Fragen, auf die wir nicht so recht Antworten wussten … Denn die Süßkartoffel ist nur namentlich mit der Kartoffel verwandt. Eigentlich ist sie ein Wurzelgemüse und eher den Karotten ähnlich. Die Kartoffel hingegen gehört zu den Nachtschattengewächsen.

Immerhin kann man beide „Kartoffel“-Arten als Knollen in der Erde vergraben und sehen, was passiert. Von der Süßkartoffel kann man auch die Triebe, sofern sie ausreichend lang sind, als Stecklinge einpflanzen. So haben wir’s gemacht: im Frühjahr auf dem Markt ein kleines Pflänzlein gekauft und ins Beet gesetzt. Mit enormem Effekt: Während unsere Kartoffeln wie immer auf kleiner Fläche in bescheidene Höhen wuchsen, ging die Süßkartoffel an der Erdoberfläche ganz schön in die Breite. Binnen kurzer Zeit erreichten die Triebe bis zu drei Meter Länge und krochen munter über unsere Anbaufläche: unter den Zucchiniblättern hindurch, voll rein in die Kapuzinerkresse und äußerst wendig um die verschiedenen Kohlgewächse herum.

Dann kam allmählich die Frage: Wann ernten? Und wie? Bei den Kartoffeln wussten wir: wenn die Blätter der Pflanze welk sind und ganz schlapp herunterhängen. Vorsichtig rein mit dem Spaten, lockern, anheben – und dann aus der Erde die gelbbraunen Früchte herausbuddeln. Hat 2017 einmal mehr wunderbar funktioniert. Die Süßkartoffel dagegen haben wir lieber noch ein wenig liegen lassen, bis die zunächst grünen und gelblichen Blätter ein herbstliches Dunkelrot angenommen hatten. Gestern also der große Moment: Raus mit dem Ding! Oder doch mit den Dingern?

Erwartungsvoll gingen wir an die Arbeit, aber die Ernte begann mit einem Frust: Etwa 30 cm entfernt von dem Punkt, an dem die Pflanze aus der Erde kommt, setzten wir den Spaten an – und hoben vor allem das Hauptwurzelwerk aus, mit lediglich ein paar winzigen, nicht mal radieschengroßen Knöllchen dran. Und nach verzweifeltem Wühlen fanden wir noch eine einzige rote Knolle, die mit etwas Fantasie als ordentliche Süßkartoffel durchging. Mehr nicht. Oje, dachten wir, das war ja mal ein Schuss ins Kraut. Oder hätten wir mit der Ernte einfach noch etwas warten müssen? Also holten wir enttäuscht die meterlangen Triebe ein, die sich teilweise richtig an der Erde festgekrallt und in sie hineingegraben hatten. Und siehe da: Hier und da in der Nähe der Hauptwurzel kamen weitere rote Knollen zum Vorschein. Doch damit nicht genug: Als wir die Erde um die Hauptwurzel wieder zuschütten wollten, gab es noch ein paar mehr. Und richtig tief in der Erde fanden wir schließlich zwei stattliche Exemplare, der absolute Höhepunkt. Am Ende hatten wir einen kleinen Hut voll Süßkartoffeln zusammen – eine tolle Ausbeute für eine einzige Pflanze.

Lange lagern wie Kartoffeln können wir den kleinen Schatz aber nicht. Nach ein bis zwei Tagen muss er verarbeitet und verzehrt sein, sonst ist er schnell hinüber. Vor allem mit dem Verzehr haben wir nicht die geringsten Probleme.

Wenn der Rasen klare Kante zeigt

Ui, die sind aber ganz schön lang geworden, der Herr. Da ist ein Schnitt aber so was von nötig! Na, dann nehmen Sie mal Platz. Was? Genau wie beim letzten Mal? Würden wir nicht empfehlen. Lassen Sie uns auch die Gänseblümchen entfernen – die trägt man heute nicht mehr. Was sagten Sie? In der Mitte noch ein bisschen was stehen lassen? Ja, das lässt sich machen …

So, jetzt mal still halten – und los geht’s … Alle Achtung, was da so runterkommt! Und, du meine Güte, das ist ja noch mehr als gedacht. In Kübeln müssen wir die grüne Pracht vom Platz tragen. Wird dann wohl etwas länger dauern als die letzten Male. Und deshalb: Schnell, schnell, denn es soll ja heute noch schwer regnen. Schau’n Sie mal, wenn Sie gemäht und nichtgemäht vergleichen – richtig klare Kante. Sieht man so konsequent auch nicht alle Tage …

Puh, geschafft der Herr, jetzt sehen wir wieder aus wie neu. Das nächste Mal kommen Sie aber ein bisschen früher, ja?

Apropos: Wo bleiben eigentlich die Gewitterwolken? Wir hatten mit schweren Regengüssen gerechnet, stattdessen wird es immer wärmer. Das Beet ruft, die Sonne lacht – dann können wir auch noch die Setzlinge zu Boden schicken. Und so wandern Fenchel, Paprika, Lauch, Kohlrabi, Auberginen, Sellerie und einiges mehr in die Erde, auch der gefürchtete Hokkaido-Kürbis darf nicht fehlen. Werden wir uns wieder ein Monster heranzüchten? Mal sehen. Oma Mohr, die Tapfere, hat unermüdlich mitgeschafft, jetzt hat sie noch etwas anderes vor. Auch wir machen Feierabend. Aber weil es einfach nicht regnen will, lassen wir den Gartentag mit Liege und Zeitung ausklingen. Ja, so lässt es sich aushalten.

Saisonkehraus mit Mangold

beet_umgraben_blaetterHeute haben wir den Garten winterfest gemacht: Tische und Stühle weggestellt, Bänke zusammengeklappt, Holzverschläge vor die Hüttenfenster gesetzt und Textilien gut verpackt – denn die Mäuse knabbern im Winter fast alles an. Natürlich haben wir auch ordentlich umgegraben und dabei jede Menge Laub und Sträucher unter die Erde gemischt. Denn Oma Mohr lehrt: Was aus dem Garten kommt, soll möglichst auch im Garten bleiben. Die im Boden verrottenden Pflanzenreste führen ihm über den Winter wertvolle Nährstoffe zu, und so wird uns das Beet sicher auch nächste Saison eine gute Ernte bescheren. Wie gut, dass unsere Lehrmeisterin eins ihrer legendären Eintopfgerichte gekocht hatte, da ging die Gartenarbeit noch lockerer von der Hand.

beet_umgraben2Jetzt lehnen wir uns entspannt zurück und lassen die letzten Monate Revue passieren. Es war eine schöne Saison, keine Frage, wenn auch nicht mit vollstem Einsatz: Oma Mohr war die ersten Monate durch eine Knie-OP gehandicapt, und wir hatten sehr, sehr viel beruflich zu tun. Da haben wir alle zusammen auch mal Fünfe gerade sein lassen. Toll, dass das so problemlos lief. Keine Vorwürfe, keine Schuldgefühle, immer beste Stimmung, absolutes Einverständnis – das ist nicht selbstverständlich. Oma Mohr, wir danken dir!

Sieben Erkenntnisse ziehen wir aus dieser Saison:

1. Trau nicht der Frau vom Wochenmarkt!

rosenkohlIm Frühjahr waren wir auf dem Wochenmarkt, Setzlinge kaufen, darunter Mangold und Rote Bete. Letztere entpuppte sich allerdings auch als Mangold, was phasenweise zu einem etwas einseitigen Speiseplan führte. Die Verkäuferin hatte schlichtweg danebengegriffen – genauso wie bei den beiden Rosenkohlpflanzen. Die waren gar keine Kohlrabi, sondern zeigten im Sommer ihr wahres Gesicht und warten nun schon seit Monaten auf den zur Reife benötigten Frost.

2. Mangold ist einer der Taffsten!

mangoldOb Regen oder Sturm, ob Eiseskälte oder sengende Hitze: Der Mangold steht da wie ein Fels. Lässt sich nicht beirren. Wächst immer wieder nach und scheint nun selbst vor dem Winter keine Angst zu haben. Womöglich wird auch von Dezember bis März Mangold auf unerem Speiseplan stehen.

3. Möhren nicht im Schatten des Mangold säen!

Mit den Möhren hatten wir schon 2015 kein Glück, vielleicht war der Samen in der Tüte kaputt. Dieses Jahr haben wir die Möhren zwischen Rote Bete und Mangold gesät. Aber wie gesagt: Rote Bete war ja gar nicht Rote Bete, sondern ebenfalls Mangold. Im Schatten des kleinen Mangold-Dschungels, der sich da entfaltete, hatten die Möhrchen kaum eine Chance. Nur ein paar kleine orangefarbene Stummel konnten wir ernten, ein Hauch von nichts. Vielleicht sollten wir zur Abwechslung wieder mal Mangold essen…

4. Trau nicht den Verantwortlichen des Kleingartenvereins!

kraeuterbeetGefühlt zwanzig Mal wurde von der Vereinsführung die Demontage der Wasseruhren angekündigt, gefühlt 25 Mal ist nichts passiert. Irgendwann war es dann plötzlich so weit, und man musste sehen, dass man die Uhr noch in die Hütte bekommt, bevor sie von unerwartetem Nachtfrost zerstört wird. Dasselbe Spiel mit den FES-Containern zur Entsorgung der Gartenabfälle: Mal standen sie gänzlich unerwartet einfach da, mal kamen sie nicht, obwohl am Schwarzen Brett angekündigt. Karawanen von Schubkarrenfahrern waren not amused. Wir finden: So geht das nicht. Als Zeichen unseres Protests werden wir den Verantwortlichen einen Sack Mangold vor die Tür stellen.

5. Entferne nicht die Akelei!

erdbeerbeetUi, was wollten wir Oma Mohr eine Freude machen und das kleine Beet vor der Hüttentür von allem Unkraut befreien. Schön sauber und ordentlich sah es nach einer guten halben Stunde aus. Leider war das „Unkraut“ Oma Mohrs geliebte Akelei. Nun gut, sie trug es am Ende mit Fassung – aber wir haben uns selbst mit einer Extraportion Mangold gegeißelt.

6. Diebe sind auch nicht mehr das, was sie mal waren…

Bei früheren Einbrüchen in die Gärten und Gartenhütten der Anlage wurde gern etwas entwendet: vom Fernseher bis zu kleinen Werkzeugen, von Deko-Gegenständen bis zu Obst und Gemüse. Fernseher und solche Sachen haben wir natürlich nicht in der Hütte, deshalb schmerzten Obst und Gemüse am meisten – schließlich hatten wir es in mühsamer Kleinarbeit angebaut, gehegt und gepflegt. Beim diesjährigen Einbruch in unsere Hütte hatten wir dagegen nur ein kaputtes Vorhängeschloss und etwas Unordnung zu beklagen. Was war da los? Die Welt wird immer unübersichtlicher, das gilt auch für die Einbrecherszene. Oder hat der unheimliche Mangold seine schützenden Blätter über die Hütte gehalten?

7. Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten!

mangold2Ganz schön früh kamen in diesem Jahr manche Pflanzen, und manche blühten mehrmals. Jetzt, beim Umgraben und Zurückschneiden, weitere Überraschungen: Neue Triebe und aus dem Boden sprießendes Grün überall. Oma Mohr ratlos: „Das alles sollte doch erst im nächsten Frühjahr kommen…“ Wir etwas grünschnabelgärtnerisch: „Vielleicht können wir im Januar schon die Tomaten aussetzen.“ Keine Frage, unser Klima wandelt sich. Nur ein Gewächs wird sich davon ganz bestimmt nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ihr wisst schon welches…
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