Garden-Sharing „Young meets Old“: Plädoyer für’s Mehrgenerationengärtnern

Oma Mohrs Garten liegt an einem der Hauptwege der Anlage – und der führt schnurstracks zur Vereinskneipe. Klar, dass da viele Leute vorbeikommen, wenn wir grünschnabelgärtnern. „Kein gutes Wetter zum Aussäen, aber was muss, das muss“, rufen uns die Leute zu und: „Das sieht ja schon richtig professionell bei Ihnen aus.“ Oder aber vielsagend knapp: „Es wird, es wird!“ Wir legen unser Expertengesicht auf und bedanken uns, räumen dann aber noch im selben Atemzug ein, dass wir eigentlich gar keine Ahnung vom Gärtnern haben. Was wiederum Ratschläge und Bekenntnisse nach sich zieht,  à la „Des Unkraud bekämpf’ isch mit Salz, isch kriech doch net uff’m Boden rum“ und: „Ich muss Ihne ehrlisch saache, bei mir werdde die Tomade nix.“

Zwischen Setzling und Löwenzahn bekommen wir auch private Geschichten zu hören. Sie handeln von ernsthaften Nachbarschaftsstreitereien um Gartenzäune, vom Familienvater, der die volle Gartenübernahmegebühr zahlen musste, obwohl der Garten der verstorbenen „Schwieschermudder“ gehörte, oder vom älteren Herrn, der einst eine Kroatin bei sich aufnahm und jetzt, nachdem er einen Schlaganfall erlitten hat, liebevoll von ihr betreut wird. Jüngere Familien berichten, dass es schon ganz schön zeitaufwendig und kaum zu schaffen ist, so einen Garten allein zu bewirtschaften. Der anstrengende Job, die Kinder, Sie wissen schon… Und immer wieder wird über ältere Leute erzählt, die kürzlich von einer Krankheit ereilt wurden und deshalb nicht mehr ganz so oft in der Anlage gesehen werden.

Dann werden auch wir gefragt: „Wo ist eigentlich Oma Mohr? Haben Sie den Garten von ihr übernommen?“ Woraufhin wir wahrheitsgemäß berichten, dass es Oma Mohr blendend geht und dass sie doch fast jeden Tag da ist. Unser „Modell“ – wir helfen so gut es geht, dafür dürfen wir ein bisschen Gemüse pflanzen und den Garten mitnutzen – spricht viele Vorbeiflanierende an. Manchmal kommt auch einer der Vereinshäuptlinge vorbei und sagt: „Ei, nemme se sisch doch noch en eischne Gadde dazu“, offenbar wird Nachwuchs gesucht und unser bescheidener Einsatz registriert. Aber wir winken ab: „Nee, nee, so einen Garten würden wir allein gar nicht schaffen. Wir sind beide berufstätig und selbstständig noch dazu – das hier ist im Moment genau das Richtige für uns.“

Das empfindet auch Oma Mohr so, und offenbar nicht nur sie. Denn neulich schaute eine andere ältere Gartenpächterin vorbei und fragte ganz interessiert nach unserem Modell. „Ach, isch tät misch aach freue, wenn isch so’n paar junge Leut’ hätt’, die sisch den Gadde mit mir teile. Alaans schaff isch des nemmer so gut.“ Tja, und da kristallisiert sich doch allmählich ein Zukunftskonzept heraus. Die Jüngeren würden gern, haben aber weder Know-how noch viel Zeit – die Älteren wiederum haben Zeit und Know-how, können aber nicht mehr so gut. Warum machen nicht mehr Leute Garden-Sharing „Young meets Old“? Das Konzept des Mehrgenerationenhauses übertragen auf den Schrebergarten? Ein Modell, bei dem eigentlich alle Beteiligten nur profitieren können. „Wir haben noch ein paar Freunde, die vielleicht Interesse hätten“, sagen wir der Nachbarin. „Die können wir ja mal fragen.“

5 Gedanken zu „Garden-Sharing „Young meets Old“: Plädoyer für’s Mehrgenerationengärtnern

  1. Hallo und Gratulation,
    das war wohl eine gute Entscheidung, so mit halbem Familienanschluss. Da haben beide Seiten etwas davon.
    Nur den Weg zur Vereinskneipe solltet ihr vielleicht umlegen. (ha)
    So Dauerkommentare? Aber ihr seid kommunikativ, ihr packt das schon.
    Liebe Grüße!

  2. Hallo Ihr Bald-Profi-Gärtner (Ihr merkt, ich vertraue voll in Eure Fähigkeiten…;-)))),
    der Garten sieht ja toll aus! Weiter so! Ich warte auch stündlich darauf, dass bei mir alle Rosenknospen aufgehen…Dann erwarte ich hier eine förmliche Rosenexplosion….;-) Meinen Nutzgartenanteil habe ich auch ausgebaut und letzte Woche fleißig meine (doch etwas arg dünnen) Tomaten gepflanzt und Bohnen und alte (mir auch völlig unbekannte) Gemüsesorten gesät. Mal schauen, was davon kommt. Aber es macht Spaß… Und den wünsche ich Euch auch weiterhin! Werde ab und zu mal bei Euch „reinbloggen“…;-)))
    Grüßle Goldy

    • Hallo Goldy,
      ja, blogge gern mal bei uns rein – und vielleicht schauen wir auch mal wieder bei Dir vorbei, zum Beispiel um völlig unbekannte Gemüsesorten zu probieren. Liebe Grüße von den Grünschnabelgärtnern
      Sanne & Ted

  3. Jung trifft alt hört sich auch gut an, ist nicht ganz neu, aber in diesem Falle eine sehr gute Idee mit Vorbild-Charakter.Weiter so

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